Die Anreise war schon Teil des Programms
Bereits am Bahnhof traf ich andere Teilnehmende auf dem Weg zur Schule Zunzgen. Daraus wurden kurze, aber sehr schöne Gespräche mit Lehrpersonen über ihre aktuellen Herausforderungen mit KI im Unterricht. Der Austausch hatte begonnen, bevor wir überhaupt angekommen waren.
Türen öffnen statt Zukunft vorhersagen
Tom Rittmann, unser Head of Education bei DQ, eröffnete den Nachmittag mit einem Gedanken, der den ganzen Tag getragen hat: Wir kennen die Zukunft nicht, aber wir können mutig sein und Türen öffnen. Neugierig bleiben, Fehler machen dürfen, Fragen stellen. Am besten direkt an die Kinder, die uns wenig später in ihren Schulzimmern ihre Projekte präsentieren würden.
Tom zeigte auch, weshalb DQ Solutions mehr ist als ein Hardware-Lieferant: Hinter DQ Solutions Education steht ein Team aus Lehrpersonen und Spezialistinnen und Spezialisten, das didaktische und pädagogische Lösungen rund um die Digitalisierung entwickelt. Unser Ziel ist einfach formuliert und anspruchsvoll umgesetzt: Reibungslosigkeit und Leichtigkeit im digitalen Unterricht ermöglichen.

Ein MacBook, das nicht aus der Ruhe kommt
Ricco Amman von Apple übernahm das Wort und stellte das MacBook Neo mit einer Power-Demonstration vor, die ich mir vor so grossem Publikum wohl nicht getraut hätte: Er öffnete sämtliche installierten Programme gleichzeitig, über 30 Apps, und begann nebenbei, Funktionen in Pages und Keynote zu zeigen. Das Gerät blieb gelassen, öffnete im Hintergrund eine App nach der anderen und kam nicht einmal in die Nähe seiner Grenzen.
Mindestens so faszinierend war das Zusammenspiel der Geräte: Mit Sidecar wird das iPad zum zweiten Touch-Bildschirm des MacBook Neo, mit «Continuity» wandern Screenshots und Zwischenablage nahtlos hin und her. Für den Schulalltag heisst das: Das iPad bleibt das Gerät für die Kreativität - Zeichnen, Fotografieren, Filmen, Aufnehmen, Animieren und vieles mehr. Das MacBook Neo ersetzt das iPad nicht, es ergänzt es, zum Beispiel als Lehrpersonengerät - und es lässt sich einfach verwalten und günstig beschaffen.

Eine Stunde, sieben Türen
Pascal Koller, PICTS und unser Gastgeber an der Schule Zunzgen, erklärte kurz, was uns erwartet und was die Lernenden für uns vorbereitet hatten. Dann öffneten sich sieben Zimmer auf drei Etagen, und eine Stunde lang präsentierten uns Schülerinnen und Schüler eine beeindruckende Palette an Projekten: Podcasts, Audio-Bilderbücher, Bücher (inklusive Eigenverlag!), Stop-Motion-Filme, Robotik, 3D-Druck und weitere digitale Tools für ganz unterschiedliche Fächer, vom Textilen und Technischen Gestalten über NMG und Geschichte bis zu Musik und Kunst. Beim Eigenverlag zum Beispiel haben die Kinder den ganzen Prozess selbst verantwortet: vom Schreiben über das Lektorat bis zum Layout und zur Veröffentlichung. Die Tools waren dabei nie der Zweck, sondern immer das Mittel.
Überall eine ansteckende Energie: Kinder, die ihre Robotik-Projekte, Hörbücher und Book-Creator-Arbeiten mit einer Begeisterung zeigen, die man nicht inszenieren kann. Es hat etwas Besonderes, die Lernenden in ihrem natürlichen Umfeld zu besuchen.

Ein Werkzeug, das einen Weg öffnet
Eine Begegnung ist mir am stärksten geblieben. In einem der Zimmer stellte ein Schüler vor, wie er das iPad im Förderunterricht nutzt. Ganz offen erzählte er von seiner Neurodivergenz und davon, dass ihm das Schreiben von Hand im Schulalltag manchmal schwerfällt und zeigte mir die App SnapType Pro. Wenn er sich nicht mehr aufs Schreiben konzentrieren kann, fotografiert er das Arbeitsblatt und füllt es direkt auf dem iPad aus: per Tastatur, per Diktat oder mit dem Apple Pencil, je nachdem, was gerade besser passt.
Wie intuitiv er das Tool bediente und wie ehrlich und unbefangen er über sich sprach, hat mich tief beeindruckt. Er hat mit dieser App keine Sonderlösung bekommen, sondern ein Werkzeug, mit dem er dieselben Aufgaben löst wie seine Klasse, nur auf dem Weg, der für ihn funktioniert.
KI: Die Tools wechseln, die Grundfragen bleiben
Nach einer Pause kamen alle Lighthouse-Besucherinnen und -Besucher für Pascal Kollers Keynote wieder zusammen. Pascal hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche Expertise im Bereich KI aufgebaut und teilte seine Journey mit uns. Wir erhielten Einblicke, wie er KI – bewusst innerhalb klarer Regeln – als Denkpartner einsetzt, als Werkzeug für die Differenzierung nach Lernniveaus, Komplexitätsstufen und Zielgruppen – und als Tool für Selbstfeedback.
Der Höhepunkt seines Referats waren die Fragen, die im Schulalltag oft offen bleiben: Welche Tools sind erlaubt – für Kinder, für Lehrpersonen, für die Verwaltung? Wer entscheidet? Welche Daten dürfen hinein, und wo werden sie verarbeitet? Die Tools wechseln und entwickeln sich weiter, die Rahmenbedingungen aber bleiben. Kanton, Gemeinde und Schule brauchen eine gemeinsame Stossrichtung, damit Lösungen aus einem Guss entstehen können. Dazu gab Pascal ehrliche Einblicke, was er aus diversen Arbeitsgruppen mitgenommen hat und wie er kantonale und globale Vorgaben und Best Practices in die Praxis übersetzt.
Am meisten beeindruckt hat mich seine Transparenz. Per QR-Code teilte er sämtliche Ressourcen, ganz ohne Gatekeeping: das OECD-Kompetenzraster, den UNESCO-Rahmen für Lehrpersonen, kantonale Orientierungshilfen und seine eigenen, über Jahre entwickelten Tools und Erfahrungen.
Da sein, wo unterrichtet wird
Nadine Christinger stellte vor, wie unser Education Team Schulen begleitet. Nadine leitet das Team Training und Coaching. Zusammen mit Benjamin, Natalie und neu Pascal als KI-Spezialist unterstützt sie Lehrpersonen direkt im Schulzimmer, mit der ganzen Klasse oder 1:1, über mehrere Lektionen hinweg. Das Team deckt die Zyklen 1 bis 3 ab, coacht und schult Lehrpersonen, konzipiert Unterrichtseinheiten oder erarbeitet Schritt für Schritt Konzepte rund um Themen wie MIA oder KI.
Was hat für mich am meisten geleuchtet?
Zum Schluss, bevor es zum Apéro ging, diskutierten wir in Gruppen unter anderem die Frage: Was hat heute für dich am meisten geleuchtet? Für mich war es die Begegnung mit dem Schüler im Förderunterricht, eine «Core Memory», die bleibt. Und der Austausch mit Lehrpersonen aus ganz unterschiedlichen Kontexten: begeistert und gleichzeitig manchmal ehrlich skeptisch gegenüber KI und Technologie. Genau diese Mischung macht solche Gespräche so wertvoll.
Wer das selbst erleben will: Am 30. und 31. Oktober 2026 finden die Learning Days in Rorschach am Bodensee statt. Rund 400 Lehrpersonen tauschen sich dort unter dem Motto «Liquid Learning» aus. Nutze die Chance, dabei zu sein. Die Möglichkeit zur Anmeldung findest du auf der Website learningdays.ch.
Herzlichen Dank an alle, die diesen Lighthouse Visit möglich gemacht haben. Es war definitiv ein Highlight meines Jahres. Zunzgen ist eine Schule, die nicht wartet, bis alle Fragen geklärt sind. Sie öffnet Türen, probiert aus, setzt um, lernt aus Fehlern – und macht. Danke, Zunzgen!
Autor: Ben Kiss, Account Manager Education
